Herr Fuji und wir; im Kampf mit den Elementen
Da Mira sich kuerzlich als Rotsocke geoutet hat muss natuerlich der heillige Berg (Fujisann) in Angriff genommen werden. Und das moeglichst bald. Kaum aus Tokyo heraus geht es schon Richtung Kawaguchiko, welches gleich unter dem Berg zuhause ist. Um das Hotel zu sparen, sperren wir unsere Rucksaecke in einem Schliessfach ein. Wir ziehen die meisten Kleider die wir haben an und gehen flugs ins Touristenzentrum. Dort schickt man uns mit dem nettesten Busfahrer der Welt, er hat uns die Fahrt mit einem Augenzwinkern geschenkt, zum UNTERSTEN Eingang des Kawaguchiko- Pilgerpfades, welcher uns nach 10 Stunden wandern zum Krater des Fujisans bringen soll, wo wir uns als Lohn fuer die Muehe den wunderschoenen Sonnenaufgang angucken wollen.
Vor der grossen Reise aber, bewundern wir mit weit offenen Augen den schoensten Schrein den wir biseher gesehen haben.
Der Sengen Schrein bildet den Eingang zum Pilgerpfad und wir lassen es uns nicht nehem fuer eine gute Wanderung zu beten. Trotz Regen machen wir uns gegen 17h mit der Lust des Muellers auf gen Fujisan. Ausgeruestet mit 6 Onigiris (Reisbaellchen), einigen Keksen, Wasser und natuerlich Schokolade, mit dem Wissen, dass man eine Taschenlampe braucht und mit der Ueberzeugung, dass wir es ohne schaffen. Zur Sicherheit aber dann doch Ninis Natel; Natels geben ja bekanntlich ein Flutlicht von sich.
Der Aufstieg ist in mehrere Stationen aufgeteilt.
Dort kann man Wasser kaufen, sich auf Baenken ausruhen und noetigenfalls die Toilette benutzen, ausserdem geben sie einen guten Ueberblick wie nahe man bereits dem Krater ist.
Die Touristeninformtaion hat uns gesagt, dass es bis zur 5. Station gegen 5 Stunden geht, wir aber erreichen unsere 5. Station bereits nach 2 Stunden,
Gipfelfeier
zur Feier des schnellen Aufstiegs gabs schon mal einen Onigiri und etwas Schockolade. Nach einer weiteren Stunde steinigen Wanderweges kommen wir dann zur Ueberzeugen gar nicht auf dem Fujisan zu sein, sondern dass es hier in der Gegend bestimmt mehrere heillige Berge mit Pilgerfaden gibt. Unterdessen wird es immer dunkler und nachdem wir in unseren Koepfen jegliche Horrorfilme nochmals abspielen, laengst selbst Gespaenster sehen, hinter jedem unschuldigen Baum einen Moerder vermuten, auch den Ursprung eines jeden Geraeusches zu kennen glauben, wird beschlossen im eben passierten Schrein zu uebernachten.
Moegen die Goetter uns schuetzen. Das Gute am Schrein ist, dass es nach genauer untersuchung als bewiesen gelten kann, er ist Moerderfrei, das Klappern im Geraeteschuppen muss allerdings von einem Gespaenst stammen. Wind, Kaelte und Regen lassen uns kaum schlafen und auch das Verdauen von einigen Kecksen gibt nicht im mindesten warm. Erkenntnis dieser Nacht ist im Uebrigen, dass es sich auf trockem Holz besser schlaeft als auf fuechter Erde. Kaum eingedoest werden wir von Taschenlampen mit Besitzern geweckt. Diese sind im uebrigen genauso erschrocken wie wir, da sie uns kurz fuer tot glaubten. Sie versichern uns auf dem Fujisan zu sein, und wir schliessen uns fuer kurze Zeit der Gruppe an. Wegen ihrem koerperlichen Zustand fallen sie immer weiter zurueck. Wir muessen annehem, dass sie nicht so weit hoch kamen wie wir, genau wissen wir es nicht, da sie uns eine Minitaschenlampe ueberliessen und wir setzen uns frohgemut nach vorne hin ab, kurz darauf aber gibt die Taschenlampe ihren Geist auf. Von da an uebergeben wir unser Schicksal dem Lichtkegel des Natels. Als wir die 5. Station der Anderen erreichen wird uns der Austieg nurmehr von Windstaerke “Unglaublichstark” und Hagelregen erschwert. Da wir bestimmt kein Mitleid erheischen wollen lassen wir die beissende Kaelte sicherheitshalber mal bei Seite.
Der weitere Verlauf ist einfach, immer staerkerer Wind und peitschenderer Regen ist gleich, zwei zu Tode erschoepfte Eiszapfen auf dem Fujisan. Zu finden auf Station 7, versteckt auf der Toilette bis sie um 5h schaendlich verraten werden, und sehr freundlich gebeten werden den Ort umgehend zu verlassen und zwar in Richtung Tal, ein weiterer Aufstieg ist bei solchem Wind aehnlich idiotisch wie unsere Wettertuechtige Kleidung.
So gehen wir denn mehr tot als lebendig zurueck zur 5. Station, von wo aus ein Bus ins Tal faehrt.
Der Huettenwart sagt geradeaus, der Weg sieht aber nicht im mindesten Bushaltestellemaessig aus, darum wird von uns die schoen geteerte Strasse nach Rechts genommen (die Strasse ist wuerklich extreme schoen, dumm sind wir ja nicht). Die erste Verbotstafel uebersehen wir grosszuegig, auch wenn die gaze Strasse vergittert ist, die zweite, nach einer Stunde Abstieg gibt uns dann doch zu denken. Wir kommen also zum Schluss, dass wir doch besser geradeaus geangen waehren.
Einenhalbstunden spaeter kann man uns wieder in Station 5. antreffen, immer noch zu tode erschoepft, dieses mal nur noch naesser, Nini jedoch um einige Kalgen leichter. Milla nimmt dass ganze vorlaeufig noch auf die leichtere Schulter, traeumt sie sich einfach ins warme Bett (darauf kann sie aber noch lange warten). Um Viertel vor Neun, dann endlich ist es so weit und wir stehen vor der Bushaltestelle. Leider war der Bus noch nicht so weit. Mit Kaffe und Tee versuchen wir unsere Koerpertemperatur, welche unterdess weit unter Null ist wieder auf Normalstand zu bekommen. Der Wind der Klimaanlage jedoch verhindert eine Besserung und der mit unseren kalten Haenden gekuehlte Kaffe wir binne Sekunden zum Eiskaffe. Die leere Kaffetasse weiss Mira mit Wasser aus ihrem Pullover zu fuellen. Waherend sich Nini laengst vollstaendig dem nassen Dasein ergeben hat, ist es nun an Mira zu klagen, dass dauert bis wir wieder im Bahnhof bei unseren Koeffern sind, aus welchen wir krampfhaft trockene Kleidung zu zubern suchen. Dummerweisse regnet es auf der Hotelsuche derart stark, dass wir nun wiederum mit feuchter Kleidung diesen Bericht schreiben.
So viel dazu, wie wir beinahe den Fujisan erklommen haben..
ninette. - 21. Jul, 13:47
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